Die Burgplatz-Initiative
Stadt kündigt Bebauungsplan für prominentes Areal an / Baugrube soll nach 17 Jahren verschwinden
Alles Abwarten, Bitten und Hoffen hat nichts genützt: Seit 17 Jahren klafft im Herzen der Stadt eine offene Wunde. Von der einst geplanten Burgplatzpassage, die der Londoner Baukonzern Amec auf dem prominenten Areal hinter dem Petersbogen errichten wollte, kündet nur ein riesiges Loch. Immer wieder vertröstete der Investor die Leipziger. Jetzt will die Stadt das Kapitel ein für allemal schließen und die Gestaltung des Burgplatzes verbindlich regeln.
"Nachdem eine Bebauung nicht erreichbar ist, werden wir nun einen Bebauungsplan aufstellen, der hier einen öffentlichen Platz, der von der Stadt hergestellt wird, vorsieht." Das kündigte Baubürgermeister Martin zur Nedden (SPD) gestern an. Konkret bedeutet das: Am 29. Februar wird der Stadtrat das förmliche Verfahren eröffnen, in dessen Verlauf sich Amec wie andere Anlieger auch äußern können - womit im Rathaus freilich alle rechnen. "Das ist primär ein juristisches Problem", ist sich zur Nedden bewusst. Gut ein Jahr braucht gewöhnlich so ein Bebauungsplan, den der neue Leiter des Stadtplanungsamtes, Jochem Lunebach, vorbereitet. Er spricht vom "Baugruben-Erbe der 90er Jahre", mit dem sich auch andere Städte herumschlügen. Halle sei dabei, ein ähnliches Problem zu lösen. In Köln sei dies bereits gelungen.
Für Amec hätte der Vorstoß zur Folge: Das Burgplatz-Grundstück würde wertlos. Dem Konzern stünde in dem Fall allerdings das Recht zu, die Übernahme der Flächen durch die Stadt zu verlangen. Über die Höhe des Preises, den Leipzig zahlen müsste, wollte sich zur Nedden nicht äußern. "Dies jetzt schon zu beurteilen, dafür ist es zu früh."
Dass die Briten das Interesse an dem Bauprojekt längst verloren haben, steht für den Bürgermeister außer Frage. 1997 wurde für die Burgplatzpassage - ein Geschäftszentrum mit Hotel, Geschäften, Restaurant und Tiefgarage - die Baugenehmigung erteilt. Realisiert wurde lediglich die Tiefgarage. Im Laufe der Jahre verhandelte die Stadt immer wieder mit Amec, drängte auf einen Baubeginn (die LVZ berichtete). Doch außer, dass seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ein Holzzaun den Blick in das hässliche Burgplatz-Loch verhindert, geschah nichts. 2009, als die Planungen für das Einkaufszentrum am Brühl anliefen, kam schließlich die endgültige Absage. Der damalige in Leipzig ansässige Amec-Manager David George vertrat in der LVZ die Ansicht, dass sich zwei Projekte dieser Größenordnung in Leipzig wirtschaftlich nicht rechneten. "Wenn das Brühl-Einkaufscenter gebaut wird", so George, "bauen wir nicht." Mittlerweile haben die Briten gar keine Vertretung mehr in Leipzig.
"Ich habe Amec im Dezember 2010 und dann noch einmal im April 2011 schriftlich aufgefordert, uns ihre Absichten mit der Fläche bekanntzugeben", sagte Bürgermeister zur Nedden gegenüber der LVZ. Darauf habe er aber weder einen Antwortbrief noch einen Anruf erhalten. "Es gab gar kein Echo." Im Sommer vorigen Jahres schließlich beauftragte er eine auf Baurecht spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei mit einem Gutachten. Es sollte die Chancen ausloten, über einen Bebauungsplan für den Burgplatz eine "signifikante Verbesserung" zu erreichen. Das Ergebnis war positiv. Zur Nedden: "Wir haben nun die schnellste Verfahrensart gewählt, die rechtlich möglich ist."
Parallel dazu beabsichtigt die Stadt, noch während des Verfahrens den Eigentümer zur Verfüllung des Loches zu verpflichten. Aufgrund der nicht beabsichtigten Bautätigkeit stelle das Loch schließlich keine Baugrube mehr dar. Ohne Genehmigung dürfe jedoch niemand in der Innenstadt einfach so eine Grube ausheben. Ergo sei sie illegal und müsse wieder verfüllt werden.
Schon gestern Abend beschäftigte sich der Ratsausschuss Stadtentwicklung/Bau mit der Burgplatz-Initiative. FDP-Vize-Fraktionschef René Hobusch, begrüßte sie: "Damit gibt es reelle Chancen, dass die Baugrube endlich verschwindet und der Platz entwickelt werden kann. Ich freue mich, dass unter dem neuen Leiter des Stadtplanungsamtes, Jochem Lunebach, nach Jahren des Stillstandes Bewegung in die Causa Burgplatz kommt. Anstatt sich mit Regulierungen von Häuserfarben und der Verhinderung von Einzelhandelsvorhaben zu beschäftigen, hätte das Stadtplanungsamt viel früher nach Wegen aus der Grube suchen müssen." Klaus Staeubert
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