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standpunkt


Von Thomas Lieb


Die zweite Chance ist

eine Chance für alle


Jugendstrafvollzug in freien Formen. Eine Bezeichnung, die Missverständnisse beschleunigt, wenn man nicht tiefer in das Vorhaben des Vereins Prisma blickt. Strafvollzug und freie Form bleiben nur bei oberflächlicher Betrachtung unvereinbare Begriffe.
Jugendkriminalität als öffentliches Problem wächst. Analog dazu die gesellschaftliche Verantwortung, Auswege zu finden und Möglichkeiten zu schaffen, den aus der Bahn geratenen Jugendlichen den Weg in die richtige Richtung zu weisen. Der Strafvollzug in freien Formen wird diesem Anspruch gerecht, weil verurteilten Drogendealern, Schlägern oder Autodieben mit den erzieherischen Methoden dort nachhaltiger bewusst gemacht werden kann, welche Werte im Leben von Bedeutung sind. Die Nähe zur Freiheit steigert das Bewusstsein des Sündigen, daraus etwas für sich zu machen. Anders als im geschlossenen Vollzug, wo Hierarchien gelten und Resignation Stimmung beeinflusst. Das Projekt ist aber auch eine Chance für die Menschen im Landkreis – dann, wenn man bereit ist, eigene Vorurteile kritischer zu hinterfragen und die zweite Chance zu geben.
@t.lieb@lvz.de


 
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